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Aracan
Verfasst am: 05. Feb 2025 12:15
Titel:
Allerdings hat "eigentlich" seine eigentliche Bedeutung, die verwandt mit "ursprünglich" ist. Davon zu unterscheiden ist seine Verwendung als bloßes Füllsel. Man sollte sich halt rechtzeitig überlegen, ob man mit "eigentlich" nur ausdrücken will, dass man nichts anderes zu sagen weiß, oder etwas mehr.
Steffen Bühler
Verfasst am: 01. Aug 2024 19:06
Titel:
Willkommen im Deutschboard!
Ja, das sind einfach bedeutungslose Füllwörter, die zwar nicht krampfhaft vermieden, aber zumindest sparsam eingesetzt werden sollten.
Eike Christian Hirsch schrieb dazu schon in den 70ern eine schöne "Deutsch für Besserwisser"-Sprachglosse im Stern:
Zitat:
Es ist nun einmal nicht jedem gegeben, sich in der freien Rede eindrucksvoll darzustellen. Aber man möchte ja auch nicht nur mit dem Grundwortschatz leben. Was tun? Abhilfe ist möglich. Es gibt Zutaten, die sich vielfältig verwenden lassen und durchaus etwas hermachen. Solche Versatzstücke erinnern mich an das Auto-Zubehör, mit dem man sogar einen untermotorisierten Kleinwagen ganz eindrucksvoll aufdonnern kann.
Hier ein paar Tips, wie Sie Ihren Schlitten frisieren können.
...
Alt eingeführt sind die Füllstoffe »eigentlich«, »im Grunde« und »praktisch«, die man praktisch überall einfügen kann, obwohl sie im Grunde eigentlich nicht mehr viel hergeben. Immer noch unentbehrlich aber ist »an sich«, auf das wohl niemand von uns verzichten kann. In der etwas teureren Ausgabe heißt es »an und für sich«, was aber an und für sich auch nicht sinnvoller ist, weil es an sich auch nichts bedeutet.
...
Wenn Sie mal gar nichts zu sagen haben und - um im Bild zu bleiben - über kein Auto verfügen, können Sie auch vom Zubehör allein leben: aus dem einfachen Grunde, weil aufgrund dessen an und für sich entsprechend das Zubehör demzufolge in dem Sinne insofern auch als solches an sich das ganze Auto dementsprechend überflüssig machen kann.
Viele Grüße
Steffen
Bookworm
Verfasst am: 01. Aug 2024 11:23
Titel: Kontext
Generell würde ich davor warnen,ein Wort nicht mehr zu verwenden,weil es von irgendwem als "böse,schlecht.." eingeordnet wird.
Das Wort
eigentlich
hat seine Berechtigung im richtigen Kontext,es muß halt nur richtig verwendet werden,das gilt allgemein.
In bestimmten Situationen kann der relativierende Charakter von
eigentlich
der Position des Verwenders abträglich sein,das würde ich jedoch nicht generell so gelten lassen.
Das wäre meine Meinung dazu.
Bookworm.
Bernd
Verfasst am: 01. Aug 2024 09:35
Titel: Eigentlich - ein böses Wort?
Meine Frage:
Immer häufiger höre ich, dass man das Wort "eigentlich" im Sprachgebrauch vermeiden solle. Einerseits deute es im Verhandlungs- oder Vorstellungsgespräch auf Unsicherheit oder Schwäche hin, andererseits sei das Wort obsolet, weil man es stets auch weglassen könne.
Im Beispiel heißt es, dass ein anleitender Chirurg kaum sagen würde "Jetzt müssen Sie eigentlich die Milz sehen". Dies sei unsinnig, da das Wort auch weggelassen werden kann.
Die Verwendung im allgemeinen Sprachgebrauch sei unschön.
Meine Ideen:
Mein Sprachgefühl sagt mir, dass das Wort "eigentlich" sehr wohl seine eigene Qualität hat.
Der Verwendungsfall in Sätzen wie "Kehren wir zum eigentlichen Thema zurück" wird kaum beanstandet. Auch in "Eigentlich hieß er Thomas, aber alle nannten ihn nur Tom" kommt mir die Verwendung keineswegs schwach vor. Die alternative Verwendung von "In Wahrheit" verändert im letzten Fall die Bedeutung dahingehend, dass "alle" seinen echten Namen missachteten oder gar nicht kannten, während "Eigentlich" hier die "Falschbenennung" als entschuldigt kennzeichnet.
Darüber hinaus deutet es auf eine besondere Weise auf Alternativen hin. Im Beispiel oben bereitet sich der Empfänger auf das Erscheinen einer Milz vor, ist aber im Grunde informiert, dass es Fälle geben mag, in denen dieses Erscheinen ausbleibt. Ein Weglassen von "eigentlich" verändert den Satz sehr.
Die kurze Information "Eigentlich habe ich Feierabend" ist wohl die hauptsächlich kritisierte Verwendung. Der Sender erscheint angeblich schwach und hat sein Vorhaben, Feierabend zu machen wohl schon aufgegeben. Aber die Aussage beinhaltet für mich doch auch eine Fülle von Informationen: Der Kollege hat seine Arbeit zwar beendet, besteht jedoch nicht darauf, von mir vollkommen in Ruhe gelassen zu werden. Vielmehr kann ich abwägen, ob ich noch eine kurze Frage stelle oder nicht und bin auf höfliche Weise angehalten, den Kollegen nicht zu sehr zu beanspruchen. Das kommt mir zumindest nicht unsinnig vor.
Es gibt weitere Verwendungen und ich bin nicht sicher, ob ich das gut beschrieben habe. Ich glaube aber, der Punkt ist klar. Wie muss man das Wort "eigentlich" beurteilen?